Der erste Weltklimavertrag – ein Schritt in die richtige Richtung

Ellen Weiland, Nur Baute
23. Dezember 2015
 
Mit großem diplomatischen Geschick ist es in Paris im Rahmen der Klimakonferenz gelungen 196 Parteien, d. h. 195 Staaten und die EU, zum Abschluss eines ersten weltweit bindenden Klimavertrages zu bewegen.Wird er im Zeitraum vom 22.4.2016 bis 21.4.2017 von mindestens 55 Staaten ratifiziert, die gemeinsam mindestens 55 Prozent der weltweiten Emissionen verantworten, dann tritt er tatsächlich 2020 in Kraft.
Neben der Unterschrift muss jedes Land einen verbindlichen nationalen Aktionsplan gegen den Klimawandel einreichen.
 
Schwammige Regeln
 
Und hier liegt der Knackpunkt. Jedes Land kann weitestgehend selbst entscheiden, welche Maßnahmen es anstrebt und umsetzt. Von 2023 an werden Experten alle 5 Jahre überprüfen, inwieweit einzelne Länder die vereinbarten Zusagen erfüllt haben. Zusätzlich sollen alle Länder einschätzen, ob sie sich nicht noch ehrgeizigere Ziele setzen können. Denndie bisherigen Ziele reichen für eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als zwei Grad nicht aus. Gemeinsame Regeln für Messfaktoren liegen nicht vor, es wird schwammig an der Stelle.
 
Unzufriedene deutsche Unternehmen
 
Dies führt in vielen Ländern zu Unzufriedenheit, die sich höhere Klimaziele gesetzt hatten. In Deutschland haben sich sogar 34 führende Industrieunternehmen aus vielen Branchen mit Unterstützung der Stiftung 2°, B.A.U.M. und Germanwatch in einer ↗ öffentlichen Erklärung kritisch zum Klimavertrag geäußert. Die 34 Unterzeichner darunter REWE, Adidas MVV Energie, Dussmann, AIDA Cruises und Schüco International, verlangen von der Bundesregierung, aber auch der Weltgemeinschaft insgesamt, konkretere Klimaziele und verlässliche Rahmenbedingungen. Sie rufen die Bundesregierung auf, die Trendwende bei Investitionen hin zu CO2-armen Technologien auf ein festes Fundament zu stellen. Sie bedauern, dass die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft nicht in den Vertrag aufgenommen wurde. Hier sehen sich die 34 Unternehmen in einer Vorreiterrolle und wollen Verantwortung übernehmen, damit z.B. ein ambitionierter Klimaschutzplan 2050 für Deutschland aufgestellt werden kann, in dem 80-95 Prozent Reduktion der Treibhausgasemissionen realisiert werden können. Sie fordern zudem die Anhebung der 2030-Emissionsreduktions-und Energieziele der EU. Dies ist bemerkenswert, unterzeichneten doch auch sehr energieintensive Unternehmen den Vertrag. Hier geht es an die Kernprozesse der Unternehmen und hier können sie ihre Verantwortung für den Klimawandel bezeugen, in dem sie ihn zur Chefsache machen.
 
Ganzheitlicher Ansatz gefordert
 
Die schwammigen Regeln werden dadurch im Klimavertrag von Paris nicht beseitigt. Hier wäre ein logischer Schluss, entweder dieselben Messregeln für alle Länder anzusetzen oder den gesamten Ansatz der Bewahrung des Planeten über Erderwärmungsziele hinaus zu erweitern und somit allen Ländern gerechte Möglichkeiten zum Umweltschutz zu geben. Denkbar ist hier ein ganzheitlicher Ansatz, der neben den technologischen Innovationen zum Klimaschutz z.B. stehende Urwälder, Regenwälder und Moorlandschaften berücksichtigt, die als große CO2 Speicher bekannt sind. Bisher gehen diese Naturlandschaften noch nicht genügend in die Rechnung ein und sind extrem stark bedroht. Hier geht es über die Verantwortung von Unternehmen und industriellen Produktionen hinaus um Entscheidungen im täglichen Leben. Wir alle sind mit verantwortlich für die Klimapolitik dieses Planeten.
 
↗ Weltklimavertrag


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