Der Weg zu nachhaltiger Zusammenarbeit

Wer sind die wahren Nachhaltigkeits-Champions? Dieser Beitrag ging der Frage bereits nach und stellte fest, dass es jene Unternehmen sein werden, die zusätzlich zu ihren eigenen Nachhaltigkeits-Aktivitäten proaktiv einen Systemwandel zu mehr Nachhaltigkeit forcieren und dafür Lobbyismus betreiben. Dass es dafür Zusammenarbeit unter jenen Unternehmen, die es ernst mit einer nachhaltigen Zukunft meinen, benötigen wird, ist unumstritten. Doch wie kann diese Art der Kollaboration unter den verschiedenen Akteuren gelingen, um auch langfristig erfolgreich zu sein?
 
Grundsätzlich sehen Unternehmen die Vorteile der Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel in verschiedenen Faktoren. Einerseits können durch die Bündelung von Ressourcen der Zugang zu externer Finanzierung erleichtert, ein größeres Netzwerk nachhaltiger Lieferketten gestaltet oder auch regulative Barrieren leichter überwunden werden. Andererseits zahlt die Kollaboration für ein gemeinsames, dem Gemeinwohl dienendes Ziel positiv auf die Reputation aller Beteiligten ein, was unter anderem zur Folge haben kann, dass der Zugang zu weiteren, neuen Netzwerken und somit zu neuen Technologien, Know-How und Unterstützung beschleunigt wird. Dabei lässt sich die Art der Zusammenarbeit je nach Zielsetzung und Einflussreichweite unterteilen. Die kleinste Sphäre konzentriert sich auf die Entwicklung von Capacity Building Maßnahmen in den jeweils beteiligten Unternehmen. Das Ziel ist also die Beschleunigung des unternehmensinternen Wandels. Die mittlere „Reichweite“ umfasst Systemwandel auf einem sektoralen beziehungsweise stakeholderspezifischen Level (zum Beispiel innerhalb der Autoindustrie / Ausweitung der Unternehmensgrenzen durch die Einbindung der tieferen Lieferketten). Diese Form ist relativ geläufig und findet sich in mehreren Branchen, manchmal mit starkem und manchmal nur oberflächlichem Commitment seitens der Mitglieder. Wandel auf übergeordneter Ebene bedeutet hingegen eine Weiterentwicklung der vorherrschenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systeme hin zu wahrhaft nachhaltigen Äquivalenten. Möchten Unternehmen eben solche Verbindungen herstellen und Systemwandel voranbringen, so sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt werden.
 

Schlüsselfaktoren für den Erfolg

Zu aller erst ist wichtig, dass Unternehmen starke intrinsische Motivation besitzen, in Zusammenarbeit an einem Ziel zu arbeiten, das für alle Beteiligten nützlich ist. Der Nutzen der Kollaboration muss für alle Beteiligten im Unternehmen klar ersichtlich sein und sollte mit dem Verständnis der anderen teilnehmenden Unternehmen im Groben übereinstimmen. Durch das Teilen von Vision und Mission, das klare Artikulieren von Nutzen für sowohl Unternehmen als auch die Gesellschaft, das Festlegen einer Strategie bezüglich der Auswirkungen der Zusammenarbeit, sowie das Setzen von ambitionierten Zielen können Unternehmen feststellen, ob sich bezüglich der Ziele und des Nutzens der Kollaboration alle auf einer Wellenlänge bewegen. Des Weiteren ist der Erfolg der Zusammenarbeit stark geprägt vom zeitlich passenden Einsatz der verschiedenen Ressourcen aller Teilnehmer, wie beispielsweise finanzielle Mittel, Marktmacht, Reputation oder Netzwerke. Hilfreich ist hierbei die Identifikation von Champions, die an der Spitze der Vereinigung stehen und sie nach außen hin als Rollenbilder tragen. Zudem ist es unerlässlich, dass die beteiligten Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen auch tatsächlich das Mandat besitzen, in ihren Positionen Entscheidungen zu fällen und Veränderungsprozesse anzustoßen. Werden diesen Individuen explizit klare Rollen und Kompetenzen innerhalt der Kollaboration zugewiesen, so entstehen auch keine falschen Erwartungen darüber, wo Entscheidungsmacht anfängt und endet. Dabei ist wichtig darauf zu achten, dass bei Entscheidungsprozessen niemand übergangen wird und die Abläufe transparent und unter Einbeziehung der relevanten Stakeholder ablaufen. Insofern sollten klare Richtlinien festgelegt werden, wie Entscheidungen getroffen werden und entsprechende Codes of Conduct in Umlauf gebracht werden.
 
Das beste Konzept ist nichts wert, wenn nicht auch der organisatorische Teil professionell gehandhabt wird. Deshalb ist es wichtig, dass die Kollaboration mit ausreichend Angestellten ausgestattet wird, die sowohl über das notwendige fachliche und organisatorische Know-How verfügen und sich thematisch für die Sache begeistern können. Unterstützt mit ausreichend finanziellen Ressourcen und der Formulierung einer finanziellen Roadmap sollte des Weiteren darauf geachtet werden, dass die angestoßenen Aktivitäten auch den tatsächlichen Werten und Zielen der Vereinigung entsprechen, und nicht in thematisch zu weit entfernte Bereiche abdriften. Durch regelmäßiges Monitoring der Erfolge und die Bewertung der Aktivitäten sollte immer auch die Möglichkeit gegeben sein, darüber zu reflektieren, welche Maßnahmen funktionieren, und welche nicht – und entsprechende Konsequenzen daraus gezogen werden. Natürlich muss erwähnt werden, dass nicht garantiert werden kann, dass jede Form der Zusammenarbeit zwangsläufig erfolgreich ist, wenn nur diese Schritte befolgt werden. Jedoch schadet die Anwendung dieser Strukturen definitiv nicht, was beispielsweise dadurch belegt wird, dass aktuell gut funktionierende Kollaborationen diese Charakteristika aufweisen (Beispielsweise die Extractive Industries Transparency Initiative, EITI).


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