Der Weg zur gerechten Bezahlung

Die NGO Equileap beschäftigt sich mit geschlechterspezifischer Diskriminierung und Ungleichstellung am Arbeitsplatz. Neben ihrem weltweiten Gender Equality Ranking erschien nun auch eine Studie, die Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Investoren und Regierungen bereitstellt, wie Gender Pay Gap und ungleiche Bezahlung beendet werden können.
 
Nach einer Einschätzung des World Economic Forums aus dem Jahr 2017, würde es bei der aktuellen Geschwindigkeit der Geschlechtergleichstellung rund 217 Jahre dauern, bis dieses Ziel erreicht ist. Dass dieser Zeitraum für die Lösung dieses gesellschaftlichen Missstandes für die Betroffenen als mehr als nur nicht-zufriedenstellend zu bewerten ist, liegt auf der Hand. Dabei wird das Problem in zwei Bereiche unterschieden: Erstens, die Gender Pay Gap – sie beschreibt den Unterschied des durchschnittlichen Lohns zwischen Männern und Frauen in einer Organisation, der oft auf Grund von (unbewussten) Vorurteilen, mehr Männern in hohen Managementpositionen oder mehr Frauen in Teilzeitpositionen entsteht. Zweitens, ungleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit. Dies beschreibt den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen für die gleichen Tätigkeiten mit denselben Anforderungen an Erfahrung oder Ausbildung, was vor allem durch implizite Vorurteile oder die Frage nach der Gehaltshistorie gefördert wird.
 

Was ist zu tun?

Um die Handlungsempfehlungen zu entwickeln, wurden die Praktiken von 747 Unternehmen aus 23 Industrienationen in puncto Geschlechtergleichstellung im Detail untersucht. Zwar wurde hervorgehoben, dass Transparenz zu den gezahlten Gehältern eine der Schlüsselmaßnahmen gegen geschlechterspezifische Ungleichbehandlung darstellt, die Praxis einer offengelegten Gehaltspolitik jedoch in den wenigsten Unternehmen zum Standard gehört. Nur 18 Prozent der untersuchten Unternehmen veröffentlichten Informationen zur Bezahlung nach Geschlecht und lediglich 4,4 Prozent gaben an, eine Gender Pay Gap von weniger als 3 Prozent zu verzeichnen. Des Weiteren wurden selbst unter den berichtenden Unternehmen eine Reihe unterschiedlicher Methoden angewendet um die eigenen Maßnahmen zu verfolgen. Sinnvoller wäre an dieser Stelle jedoch ein universell angewandter Standard, der für betroffene Unternehmen die gleichen Anforderungen an jährliches Reporting zu geschlechterbezogenen Fragen, differenziert auf die verschiedenen Positionen der Mitarbeiter, stellt. Unternehmen, die in puncto Gleichstellung eine Vorreiterrolle einnehmen wollen, sollten dementsprechend Informationen je nach Position und Tätigkeiten transparent machen, unternehmensweite Analysen zu Unterschieden in der Bezahlung von Männern und Frauen durchführen sowie entschieden gegen Pay Gaps vorgehen, wenn sie entdeckt werden.
 
Auch auf übergeordneter Ebene werden Unternehmen dazu bewegt, mehr für gleiche Bezahlung zu unternehmen. Regierungen auf der ganzen Welt setzen immer stärkere Standards um gegen Geschlechterdiskriminierung vorzugehen. So zeigt die Studie, wie beispielsweise Länder wie Island, Großbritannien, Deutschland oder Australien durch Gesetzgebung für mehr Transparenz sorgen. Die Maßnahmen reichen von Berichtspflichten zum Pay Gap, über Equal Pay Zertifizierungen bis hin zu Auskunftspflichten der Geschäftsführung, wenn Mitarbeiter Informationen über die Gehälter ihrer Kolleginnen und Kollegen einholen möchten.
 
↗ Zur Studie


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