Es rächt sich, CSR-Trends zu missachten

Fabian Eder, Nur Baute
25. April 2017
 
Dass das Verfolgen von CSR-Aktivitäten langfristig Gewinne erhöhen und die Reputation steigern kann, gehört mittlerweile zum Einmaleins der Überzeugungsversuche für mehr verantwortungsvolles Wirtschaften. Dass das Verkennen und Missachten von CSR-Praktiken mittlerweile ernstzunehmenden Schaden und Risiko für Unternehmen darstellen kann, wird jedoch oftmals unterschätzt.
 

Nachzügler zahlen den Preis

Die Nachricht kursierte vor Kurzem in den Schlagzeilen: Nach dem zweiten Rekordverlust (-5,7 Milliarden Euro) in zwei Jahren lässt der Energiekonzern RWE erneut die Dividende für Aktionäre ausfallen. Die niedrigen Strompreise durch den Aufschwung der erneuerbaren Energien wurden unterschätzt, der Umstieg wurde verschlafen. Der Konzern spricht von Enttäuschung, ist jedoch nicht überrascht. Dass die verfolgte Strategie fossiler Brennstoffe langfristig keine Perspektiven mehr hat, scheint nur allmählich durchzusickern.
 

Politische Verschärfungen stehen an

Angesichts des regen Treibens auf politischer Ebene ist diese Passivität nur bedingt nachvollziehbar. Die Verschärfung betreffender Gesetze ist nämlich seit Längerem abzusehen. Erst kürzlich verkündete Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vor dem Treffen des EU-Umweltrats, dass der Überschuss vorhandener Emissions-Zertifikate reduziert werden solle. Emissionsstarke Unternehmen hätten dadurch weniger Möglichkeiten, ihren Emissionsausstoß durch den Kauf von Zertifikaten »wieder gut zu machen«. In Singapur ist mittlerweile geplant, ab dem Jahr 2019 eine Steuer auf CO2 Emissionen zu erheben. Dabei ist aktuell die Rede von 7 bis 13 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2.
 
Eine schärfere politische Gangart ist auch bezüglich anderer CSR-Themen zu erwarten. Betrügerische Firmen sollen in Zukunft von bundesweit öffentlichen Aufträgen der Bundesregierung ausgeschlossen werden. Durch die Aufnahme in ein Register, das korrupte Firmen auflistet, kann länderübergreifend überprüft werden, ob Unternehmen vorbelastet sind. Zudem lässt die starke Orientierung der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung an den Sustainable Development Goals (SDGs) vermuten, dass weitere Gesetzgebung, die zur Erreichung der Ziele beiträgt, folgen wird.
 

Standards steigen, Widerstand sinkt

Da sich Lobbyisten und Wirtschaftsverbände traditionell gegen höhere gesetzliche Standards einsetzen, kommen diese oftmals nur in abgeschwächter Form zu Stande. Der Trend zu immer spezialisierteren CSR-Programmen sorgt jedoch gleichzeitig dafür, dass Gesetzesverschärfungen immer gelassener aufgenommen werden. Beispielsweise hat die Ankündigung der Einführung einer Berichterstattungspflicht durch die Richtlinie 2014/95/EU Unternehmen in Frankreich überhaupt keine Sorgen bereitet, da diese durch bestehende Gesetzgebung bereits an solche (sogar höheren) Standards gewöhnt waren. Je eher eine vorausschauende Anpassung an CSR-Trends stattfindet, desto höher ist sogar die Chance, Nachzüglern gegenüber Vorteile zu erlangen, da keine ad hoc Anpassungen auf Grund mangelnder Vorbereitung zu befürchten sind.


Zurück zum Blog