Europäische Kommission veröffentlicht unverbindliche Leitlinien

Wie im Gesetzestext der Richtlinie 2014/95/EU angekündigt, veröffentlichte die Kommission diese Woche unverbindliche Leitlinien für die Erstellung von Berichten zu nichtfinanziellen Informationen. Sie sollen Unternehmen einen groben Rahmen und Empfehlungen für das Vorgehen der Berichterstellung geben. Wie auch der Gesetzestext, bleiben die Inhalte der Leitlinien jedoch weit hinter ihrem Potenzial, Unternehmen zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit ihrer Verantwortung zu bewegen.
 

Oberflächliche Empfehlungen

Das Ziel des Dokuments ist es, Unternehmen bei Veröffentlichung von qualitativ hochwertigen, relevanten, nützlichen, beständigen und vergleichbaren nichtfinanziellen Informationen zu helfen, sodass nachhaltiges Wachstum und Transparenz für Stakeholder gefördert werden. Die Leitlinien befinden sich damit im Einklang mit den Vorgaben der Richtlinie und sollen unnötigen administrativen Aufwand, Standardformulierungen und Checklisten-Ansätze verhindern. Dazu werden zu aller erst die Grundprinzipien der Berichterstattung beschrieben, die laut Kommission folgende Eigenschaften umfassen:
 
• Relevant
• Fair, ausgeglichen und verständlich
• Nachvollziehbar und kompakt
• Strategisch und zukunftsorientiert
• Stakeholder-orientiert
• Einheitlich und kohärent
 
Zu jedem der Punkte wird beschrieben, was in Bezug auf Berichterstattung darunter verstanden wird. Anschließend geben die Leitlinien Empfehlungen für Inhalte und KPIs, die im Zusammenhang mit dem Geschäftsmodell, dem Due Diligence Vorgehen, der Outputmessung, Risikomanagement und thematischen Aspekten (umwelt-, sozial-, menschenrechts-, antikorruptions,- Lieferketten- und Konfliktmineralienbezogene Aspekte) beachtet werden können.
 

Größeren Nutzen verkannt

Speziell bezogen auf das Gebot der Vergleichbarkeit bieten die Leitlinien keinen erkenntlichen Nutzen. Zwar ist angestrebt, Vergleichbarkeit über Unternehmen und Sektoren hinweg zu fördern, die unspezifischen Angaben und das Offen-Lassen von für gewisse Sektoren verbindlichen Indikatoren sind einem solchen Ziel jedoch hinderlich. Denn es wird bereits richtig erkannt, dass Unternehmen gleicher Branchen tendenziell ähnlichen Herausforderungen in Bezug auf Umwelt, Klima, Soziales usw. gegenüberstehen. Viel sinnvoller wäre es demnach, branchenspezifische Indikatoren zu identifizieren, die es ermöglichen, Nachhaltigkeitsperformance innerhalb gewisser Branchen zu vergleichen. Zudem könnten Unternehmen durch die Auseinandersetzung mit konkreten Indikatoren eher dazu gebracht werden, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die für ihre Branche ohnehin tendenziell relevant sind. Die Entwicklung solcher Vorgaben wäre natürlich umfangreicher als die der aktuellen Leitlinien, hätte aber viel größeres Potenzial, den eigentlichen Zielen der Berichterstattung gerecht zu werden.
 
↗ Zu den Leitlinien


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