Im Dialog mit Gegenbauer: Arbeitskräfte sichern und binden

Er gilt bereits seit mehreren Jahren als Schreckgespenst im deutschen Mittelstand: der Fachkräftemangel. Besonders spezialisierte Betriebe haben immer größere Probleme damit, offene Stellen zu füllen und über einen längeren Zeitraum zu besetzen. Wie also können es Unternehmen schaffen, geeignete Arbeitskräfte zu finden und anschließend auch dafür sorgen, dass sich diese langfristig dem Betrieb zugehörig fühlen und ihm treu bleiben?
 
Um diese Fragen ein Stück weit zu beantworten, trafen wir uns mit einem der Top-Ausbildungsbetriebe im Raum Berlin: Gegenbauer. Gunther Thiele, Leiter der Abteilung Marketing/Kommunikation und Claus Kohls, Personaldirektor, erklärten uns im Gespräch, wie Gegenbauer neue Talente findet, mit welchen Mitteln Unternehmenskultur gestaltet werden kann, und was Arbeitnehmer dazu bewegt, teils über Jahrzehnte dem Betrieb die Treue zu schwören.
 
Gunther Thiele war Teil des Teams, das das Thema Nachhaltigkeits-Management vor einigen Jahren im Unternehmen initiierte und systematisierte. Die Motivation dahinter hat sich seitdem nicht geändert: »Ob man sich jetzt die Ökologie, die Ökonomie oder andere gesellschaftliche Aspekte ansieht, es geht immer darum, im Rahmen der Nachhaltigkeitsaktivitäten Zukunftssicherung zu betreiben, diese Aktivitäten zielgerichtet und gebündelt zusammenzuführen sowie zum integralen Bestandteil der Geschäftsprozesse zu machen.«, so Thiele. Einen besonderen Stellenwert genießt in dieser Hinsicht die eigene Belegschaft.
 
 

»Was im aktuellen Kontext der Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft relativ neu wirkt, ist bei Gegenbauer schon lange Alltag«

 
 
Dabei fängt Gegenbauers Zukunftssicherung bei der Auswahl der richtigen Neuzugänge an. Das Unternehmen setzt hier vor allem auf eines: Aufgeschlossenheit. »Es war schon immer ein Grundverständnis bei Gegenbauer, gerade für Menschen mit nicht unbedingt linearem Lebenslauf, die Sprachprobleme haben oder noch keine ausreichende Ausbildung genießen konnten, Möglichkeiten zu schaffen.«, erklärt Claus Kohls. Was im aktuellen Kontext der Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft relativ neu wirkt, ist bei Gegenbauer schon lange Alltag. »Die Entwicklung der letzten beiden Jahre hat hier niemanden überrollt, sie wird vor allem als Chance gesehen, einerseits die Zukunft des Unternehmens durch neue MitarbeiterInnen zu sichern und andererseits, den Betroffenen bei der Integration unter die Arme zu greifen.«, so Kohls weiter.
 

Das Zugehen auf MitarbeiterInnen macht sich bezahlt

Damit die neuen MitarbeiterInnen auch gut ankommen, bietet das Unternehmen Hilfe durch Integrationsbeauftragte, Deutschkurse oder Unterstützung bei behördlichen Prozessen. Um die bestehende Belegschaft zu sensibilisieren, wird besonders auf interne Kommunikation gesetzt. Unter dem Motto »Gegenbauer is(s)t bunt« wird jedes Jahr aktiv der Diversity Tag zelebriert, in der internen Mitarbeiterzeitung, die allen 17.000 Beschäftigten nach Hause geschickt wird, werden Kollegen aus aller Welt portraitiert. »Natürlich haben alle MitarbeiterInnen ihre eigene Meinung von gesellschaftlicher Vielfalt, wer damit jedoch ein ernsthaftes Problem hat, wird sich bei uns nicht wohlfühlen.«, resümiert Claus Kohls. »Sind Angestellte erstmal erfolgreich integriert, bieten systematisches Talent Management, Young Professional Programme und eigens geschaffene Ausbildungslehrgänge reichlich Möglichkeit zur Weiterentwicklung.«, fügt Gunther Thiele an. Das Resultat kann sich sehen lassen: Gegenbauer ist ausgezeichnet als bester Ausbildungsbetrieb Berlins, bester Ausbildungsbetrieb der gesamten Reinigungs- und Sicherheitsbranche und hat 2016 den Integrationspreis der Gebäudereiniger-Innung, sowie erst kürzlich den Ausbildungspreis des Branchenverbandes BDWS für die Sicherheitsbranche erhalten. Durch intensive Betreuung in der Ausbildung, die Integration von Angestellten in die Unternehmenskultur und Angebote zur beruflichen Weiterentwicklung, fühlen sich Angestellte gut aufgehoben, was sich in geringerer Fluktuation als im Branchendurchschnitt und längeren Betriebszugehörigkeiten als beim Wettbewerb widerspiegelt.
 
Für MitarbeiterInnen aus der Personal- oder Nachhaltigkeitsabteilung anderer Betriebe, die vergleichbare Strukturen in ihren Unternehmen schaffen wollen, von der Geschäftsführung jedoch keinen ausreichenden Rückhalt bekommen, hat Gunther Thiele folgenden Rat: »Man sollte vielleicht nicht gleich mit einem richtig großen Projekt starten, das der Geschäftsführung möglicherweise zu viel Aufwand bedeutet. Sinnvoller sind in so einem Fall kleinere Aktionen, die zeigen, dass Änderungen möglich sind und Mitarbeiter positiv darauf reagieren, um so die Argumentationsgrundlage für weitere, größere Projekte zu legen.«
 

Trostpflaster in einem manchmal undankbaren Geschäft

Dass Angestellte wie bei Gegenbauer mit Respekt behandelt werden, ist in der Branche leider nicht Standard. Speziell in der Reinigungs- und Sicherheitsbranche herrschen auf Grund der starken Konkurrenz auf umkämpften Märkten oft prekäre Arbeitsverhältnisse. Der Lohn orientierte sich oft am gesetzlichen Minimum, Kurzzeitverträge sind keine Ausnahme – und das, obwohl Arbeitskräfte unter körperlich schwierigen Bedingungen arbeiten oder als Sicherheitskräfte gelegentlich externen Aggressionen ausgesetzt sind. Wird Angestellten ein höherer Lohn bezahlt, ist durch die Erhöhung der Dienstleistungskosten mit Auftragseinbußen zu rechnen. Nicht zuletzt deshalb waren Unternehmen der Facility Management Branche, die einen Anspruch an verantwortungsvolles Unternehmertum stellen, dankbar und erleichtert, als der gesetzliche Mindestlohn eingeführt wurde, da so die gesamte Branche mitziehen musste (was aktuell nach wie vor nicht bei allen Unternehmen der Fall ist). Dies zeigt einmal mehr, dass das Schaffen von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen nicht gänzlich den auf Wettbewerb ausgerichteten »Marktkräften« überlassen werden sollte, sondern gewisser Formen von gesetzlicher Intervention bedarf. Engagierte Unternehmen wie Gegenbauer wirken mit ihren Maßnahmen solchen negativen Entwicklungen entgegen und tragen so zu einer Steigerung der Branchenstandards im Sinne der Arbeitnehmerschaft bei.


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