Im Dialog mit Microsoft: Digitale Bildung

Neben den meisten Bereichen des Alltagslebens ist die Digitalisierung längst auch in der Bildung angekommen. Da das Tempo der Umstrukturierung rasant ist, ist es essenziell, dass Menschen beim Übergang in die digitale Welt begleitet werden, gesellschaftlicher Austausch darüber angeregt, und der richtige Umgang mit der neuen Technik gefördert wird. Einige Unternehmen sehen beim Thema digitaler Bildung einen Hebel, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen, Defizite in der Bildungspolitik auszugleichen und den Bildungsauftrag zu ergänzen.
 
Im Gespräch mit Nur Baute erklärt Astrid Aupperle, Leiterin gesellschaftliches Engagement bei Microsoft Deutschland, wie digitale Bildung aussehen sollte und was Microsofts Motivation ist, eigenhändig daran mitzuwirken.
 
Generell identifizieren Vertreter der Informations- und Kommunikationstechnologie- Branche (ICT) digitale Bildung durch die enge Anbindung an ihr Kerngeschäft als passendes Wirkungsfeld, einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu leisten. Auch Microsoft Deutschland setzt hier mit Projekten des gesellschaftlichen Engagements an. Astrid Aupperle ist überzeugt: »Wir müssen die öffentliche Diskussion über offene Fragen und Herausforderungen der Digitalisierung fördern und dabei möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen einbinden. Denn nur so können wir das Vertrauen stärken und mögliche Ängste abbauen.« Dabei ginge es Microsoft vor allem darum, die Chancen der Digitalisierung, beispielsweise innovative demokratische Partizipationsmöglichkeiten, Neuerungen im Gesundheitswesen, oder moderne Bildungsansätzen, aufzuzeigen und zu erklären. Die Legitimierung für die Ergänzung des Bildungsauftrags, der sonst Aufgabe des Staates ist, sieht Microsoft auch in der teils unzureichenden Anpassung des Bildungssystems von gesetzgeberischer Seite. Dabei ginge es jedoch nicht darum, den Bildungsauftrag von Bund und Ländern in Frage zu stellen. »Die Tatsache, dass unser Bildungssystem mit Blick auf die Digitalisierung höchstens Mittelmaß ist, bereitet uns auch angesichts des heute schon akuten Fachkräftemangels Sorgen. Viele Schüler und Jugendliche werden nicht ausreichend für die Arbeitswelt von morgen qualifiziert. Und Kinder, die aus schlechter gestellten Gesellschaftsschichten stammen, liegen mit ihren digitalen Kompetenzen deutlich unter dem Durchschnitt.«, so Aupperle.
 

Bildungsauftrag mit Hintergedanken?

Selbst wenn die Entwicklung der flächendeckenden digitalen Bildung ausbaufähig ist, so sollte auch eine Grundsatzdiskussion über mögliche Tücken von unternehmerischer Beteiligung im Bildungswesen geführt werden. Es ist kurzfristig bestimmt vertretbar, punktuell in besonders bedarfsorientierten Gegenden Defizite auszugleichen. Jedoch dürfen dabei gewisse Fallstricke nicht übersehen werden, zumal es bereits Vorfälle gab, in denen Unternehmen ihr gesellschaftliches Engagement nicht ohne Hintergedanken ausrichten. So könnte allgemein der rein bildungsorientierte Fokus in Frage gestellt werden, wenn SchülerInnen (und angehende KonsumentInnen) im Umgang mit der Technik der jeweiligen Unternehmen geschult werden. Dass Microsoft seine Bildungsprogramme mit Technik durchführt, die gar nicht vom Unternehmen selbst stammt, ist ein wichtiger und glaubwürdiger Schritt, die bildungsbezogenen Intentionen zu wahren. Abschließend ist zu erwähnen, dass RegierungsvertreterInnen in Sachen Bildungspolitik in der Regel über flächendeckenderes gesamtpolitisches Überblickswissen verfügen, auf dessen Basis sich gezieltere und generell legitimierbarere Entscheidungen in puncto digitaler Bildung fällen lassen. Dies setzt jedoch eben diese Handlungsbereitschaft von politischer Seite voraus, die in den letzten Jahren besonders in kleinen Kommunen vermisst wurde. Wenn in solchen Situation Unternehmen wie Microsoft ohne lobbyistische Hintergedanken gewisse Defizite ausgleichen, ist es mit Sicherheit auch ein wichtiger Weckruf für die Politik, dass für die digitale Bildung in Deutschland mehr getan werden muss.


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