Mitarbeiter als Innovationstreiber unterschätzt

Lena Engel, Nur Baute
01. Februar 2017
 
»Innovation« ist eines der Schlagworte vieler Unternehmen derzeit. Vermehrt sorgen sich deutsche Unternehmen um ihre Innovationsfähigkeit, besonders im Vergleich zu den aufsteigenden asiatischen Märkten. Was macht Unternehmen zu Innovationsführern und was könnte ein Differenzierungsmerkmal sein, das Wettbewerbsvorteile mit sich bringt?
 

Innovation muss neu gedacht werden

In der Wissenschaft ist es bereits angekommen: Das klassische Innovationsmanagement spielt keine Rolle mehr (Harvard Business Manager, 2016). Heute kommt es bei Unternehmen vor allem darauf an innovationsfähig zu sein. Das bedeutet auch, dass sie insgesamt flexibler agieren müssen als bislang und klassische hierarchische Systeme teilweise außer Kraft gesetzt werden. Einem Unternehmen steht oft nicht alles Know-how zur Verfügung, und so muss es Strategien entwickeln, um externe Informationsquellen einzugliedern. Das heißt konkret: Innovationsprozesse müssen für verschiedene Stakeholder geöffnet werden, ein Vorgehen, das häufig auch als »Open Innovation« bezeichnet wird.
 

Co-Creation als neuer Ansatz

Immer mehr Unternehmen entwickeln Prozesse zur Einbindung von Kunden in den Prozess der Ideenfindung. Dies erscheint sinnvoll, da dabei das Interesse des Kunden an Verbesserung und die Möglichkeit für das Unternehmen, dieses Wissen ohne großen Kostenaufwand nutzen zu können, aufeinandertreffen.
Dieser Ansatz könnte durchaus auch auf Mitarbeiter des Unternehmens ausgeweitet werden: Aus der Kombination von interner Erfahrung und externem Anwendungswissen kann sich ein differenziertes Bild möglicher Anknüpfungspunkte für Innovationen im Unternehmen ergeben.
 

Nachhaltigkeit als Innovationstreiber

Es gibt viele Gründe für Unternehmen, Nachhaltigkeit in ihr Innovationsmanagement zu integrieren. Studien ergeben, dass Unternehmen, die eine nachhaltige Innovationskultur fördern, positive Auswirkungen nicht nur auf ihre Ökoeffizienz, sondern auch auf ihre Wirtschaftlichkeit erleben. Auswirkungen wie empfundene Produktqualität, Aufmerksamkeit für die Marke, Vertrauen und Reputation schlagen sich auf den Ertrag nieder. Zusätzlich stärken nachhaltige Innovationen die Kundenzufriedenheit und locken Neukunden an. Auch die Attraktivität als Arbeitgeber steigt und Fachkräfte können erfolgreich an das Unternehmen gebunden werden (Sustainability, 2016).
Leider wird Nachhaltigkeit als Innovationstreiber und auch als Mittel zur Kunden- und Mitarbeiterbindung in der Praxis unterschätzt. Eine Umfrage der TU Berlin ergab, dass nur 17 Prozent der 2.443 befragten Arbeitnehmer in Entscheidungen des Unternehmens zum Thema Nachhaltigkeit eingebunden oder aktiv von Vorgesetzten ermutigt werden sich einzubringen. Das steht in eklatantem Widerspruch zu den 44 Prozent, die ein Unternehmen, das sich für Umwelt und Gesellschaft engagiert, als attraktiven Arbeitgeber empfinden (Umfrage des Praxisprojekts »Nachhaltig leben und arbeiten«, 2012).
 

Interne Stakeholder werden unterschätzt

Als vermeintliche Nicht-Experten, wenn es um Innovation in Unternehmen geht, werden Mitarbeiter oft unterschätzt. Jedoch sind Erfahrungswerte von Mitarbeitern, Konsumenten und deren persönliche Nachhaltigkeitsinteressen eine Quelle, die für Unternehmen einfach zu nutzen ist und Wettbewerbsvorteile bringt. Oft wird vergessen, dass Mitarbeiter als Insider privates Interesse mit konkretem Wissen um Prozesse, die optimiert werden könnten, vereinen und so vielen externen Stakeholdern vorzuziehen sind.


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