Politischer Einfluss & CO2 Emissionen

Eine Vielzahl von Unternehmen setzt sich mittlerweile aktiv mit ihren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft auseinander. Besonders der Bereich Energie- und CO2 Management ist dabei populär, da er quantifizierbar ist und Fortschritte schnell nachvollziehbar werden. Jedoch zeigt eine Studie der britischen NGO Influence Map, dass in vielen Fällen große Diskrepanzen zwischen den dargestellten unternehmensinternen CO2 Reduktionen und dem tatsächlichen politischen Willen der Unternehmen herrschen.
 

Umweltfreundlich ist nicht gleich umweltfreundlich

 
Verschiedene AutorInnen haben bereits darauf hingewiesen, dass die Bestimmung von unternehmerischen Auswirkungen auf den Klimawandel nicht alleine auf Basis von deren eigenen CO2 Emissionen vorgenommen werden sollte. Teilweise noch viel aussagekräftiger und auch mit größeren Implikationen für die negativen Gesamtauswirkungen auf die Umwelt verbunden, sind nämlich unternehmerische Lobbytätigkeiten für oder gegen den Klimaschutz, vor allem im Fall von politisch einflussreichen Öl- und Automobilkonzernen. Es ist also nicht unbedingt eindeutig, rein von den berechneten Scope 1, 2 und 3 Emissionen der Unternehmen auf deren tatsächliche Auswirkungen auf Klima und Umwelt zu schließen. Beispielsweise benennt die Studie vier der größten Automobilhersteller (Fiat Chrysler, Ford, BMW and Daimler), die zwar glänzende CSR-Berichte und Umweltkennzahlen vorweisen können, hinter verschlossener Tür jedoch gegen Effizienzvorgaben und CO2 Emissionsstandards Lobbyarbeit betreiben.
 
Um diesen Faktor miteinzuberechnen, entwickelte Influence Map eine Berechnungsmethode für den »Carbon Policy Footprint« der sich zusammensetzt aus:
 
1) Unterstützung für oder Lobbyarbeit gegen Klimapolitik im Sinne des Pariser Klimaabkommens
2) Die Intensität/Penetranz der Einflussnahme
3) Das generelle Level des politischen Einflusses/ die Einflussstärke des Unternehmens.
 
Unter 250 Unternehmen wurden dabei besonders hinderliche und besonders unterstützende Unternehmen identifiziert. Spitzenreiter für politische Unterstützung des Klimaschutzes sind Apple und Unilever, besonders aktiv dagegen lobbyieren beispielsweise Exxon Mobile, BP oder aber auch BASF. Der Großteil der Unternehmen bewegt sich ziemlich genau in einer neutralen Zone. Die Studie zeigt, dass die Aktivitäten von Unternehmen hinter verschlossenen Türen ein einflussreicher Faktor für deren tatsächliche nachhaltige Performance darstellen. In dieser Hinsicht stellt sich auch die Frage, inwiefern stärkere Transparenz im Lobbyprozess verpflichtend sein sollte, um der Öffentlichkeit das wahre Bild dieser Konzerne zu vermitteln und verantwortungsvolles Lobbying zu fördern. Langfristig werden jene Unternehmen, die den Wandel zu einer wahrhaftig nachhaltigen Wirtschaftsweise aktiv unterstützen diejenigen Champions sein, die als einzige die gesellschaftliche Legitimation für ihr Handeln erhalten.
 
↗ Link zur Studie


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