Risikomanagement greifbar machen

Traditionell fokussieren sich viele Unternehmen beim Thema Risikomanagement auf für den Finanzbericht relevante Risiken, beispielsweise im operativen Bereich oder bezüglich der Auswirkungen von Marketingaktivitäten. Langfristige soziale, umwelt- oder führungsbezogene (ESG) Risiken werden jedoch selten in strategische Überlegungen miteinbezogen, was mehr und mehr zum Problem für Unternehmen, wie auch für von den Aktivitäten Betroffene wird. Um dieses Problem zu lösen, haben der WBCSD und COSO einen Leitfaden entwickelt, der Unternehmen dabei helfen soll, strukturiert mit ESG Risiken umzugehen.
 
Ob es sich um extreme Wetterlagen, Todesfälle am Arbeitsplatz, oder Rückrufaktionen zur Produktsicherheit handelt – gewisse ESG-relevante Risiken werden bei vielen Unternehmen nicht professionell gehandhabt. Im Anbetracht der Tatsache, dass bei Eintreten dieser Risiken beträchtlicher finanzieller Schaden sowie eine erhebliche Verschlechterung der Reputation droht, eine oft nicht nachzuvollziehende Nachlässigkeit, von der sich schon so manches Unternehmen nicht mehr erholen konnte. Zwar ist in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit für ESG Risiken gestiegen, konkrete Maßnahmen um ihnen zu begegnen fehlen jedoch oft nach wie vor. Im Jahr 2008 befand sich im Rahmen des Global Risks Report des World Economic Forums nur ein ESG relevantes Risiko unter den »top risks«, 10 Jahre später sind es bereits vier der genannten top-fünf Risiken. Um dieses Wissen um die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit ESG Risiken zu konkreten Handlungen zu transformieren, soll der Leitfaden RisikomanagerInnen aufklären und ihnen dazu verhelfen, alle potenziellen ESG Risiken zu erkennen, zu benennen und sich darüber auszutauschen.
 
Die Idee hinter dem Leitfaden ist, dass Unternehmen, Investoren und andere Organisationen am besten dazu ausgerüstet sind, Entscheidungen zu treffen, wenn sie ihre Risiken zur Gänze verstehen. Vollständige Informationen über alle möglichen Risiken sind eine enorme Hilfe dabei, Risikomanagement-Profile von Unternehmen zu verbessern. Zu diesem Zweck bietet der Leitfaden eine Schritt für Schritt Anleitung, die in sieben Module unterteilt ist und praktische Tipps zur Integration der Risikomanagement-Maßnahmen bietet. Dabei wird erläutert, wie angefangen bei der Etablierung von Governance Strukturen (Managementboard, Kultur, Werte etc.) weitere Prozesse wie Risiko-Identifikation, und -Bewertung (Bestimmung der Schwere/Priorität) sowie die Formulierung von Gegenmaßnahmen (alternative Strategien, mögliche Maßnahmen) eingeleitet werden können. Durch regelmäßiges Monitoring und transparente Kommunikation können Unternehmen den Prozess abrunden, ohne dabei den Blick von situativen Eigenheiten und eigenen Schwerpunkten abwenden zu müssen.
 
Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass Unternehmen Risikomanagement niemals nur als reine Compliance Maßnahme verstehen sollten. Zwar kann das Risikomanagement durch Compliance und Regulierung angespornt werden, sollte aber ein innovativer, und interaktiver Prozess sein, der sich in die Organisation integrieren lässt und Mehrwert bietet. So können Unternehmen regelmäßig ihre Strategien evaluieren und sich bestmöglich auf die zahlreichen Risiken vorbereiten.
 
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